Sagen ≠ meinen – Worte und ihre Bedeutung

Oktober 16, 2008 um 10:21 pm | Veröffentlicht in Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar
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So, mein UMTS-Modem funktioniert wieder, daher heute wieder ein längerer Post :-). Es gibt allerdings eine Gemeinsamkeit zwischen dem heutigen Beitrag und dem Artikel „Planung vs. Leben? – Die feine Grenze“. So wie bei diesem Post sollte auch heute eigentlich ein ganz anderes Thema dran sein. Ursprünglich wollte ich euch heute einen kurzen Rückblick auf meinen Kurzurlaub mit meinem besten Freund in Rothenburg ob der Tauber geben. Komplett mit Bildern und so.

Warum nun also ein anderes Thema? Ganz einfach, ich habe gerade eben, kein Witz ist grade mal 5 Minuten her, einen Kommentar auf meinem Blog gelesen, der mich spontan zum nachdenken angeregt hat. Ehrlich gesagt ist es ein geniales Timing. Heute Abend war ich, wie eigentlich jeden Donnerstag, im Gottesdienst. Der Gottesdienst war wieder echt toll und hat mir viel Kraft gegeben. Und der Kommentar den ich meine beschäftigt sich eben auch mit Gott, Gottesdienst und Glauben. Der Kommentar stammt von Hans-Helge alias Obstschale (ich hoffe es ist okay für dich wenn ich dich hier erwähne?). Den ganzen Kommentar finden Interessierte bei dem Artikel „Energie-Tankstellen im Alltag“. Was mich daran so angesprochen hat war der letzte Satz des Kommentars:

Ich finde es halt einfach nur cool, wie Gott wirkt!

Ich persönlich kann diese Meinung nur unterstreichen. Es ist einfach genial wie Gott immer wieder wirkt, gerade heute Abend hatte ich es in einem Gespräch nach dem Gottesdienst davon, wie sehr Gott in letzter Zeit wieder spür- und erlebbar ist in meinem Leben. Äh, okay, nett, aber a) warum sollte ich als Nicht-Christ jetzt weiter lesen und b) was hat das mit der Überschrift zu tun? Die Antwort ist einfach: weiterlesen, dann wird’s klar ;-).

Was ich bei diesem Satz spontan gedacht habe: „Ich kenne doch einige Leute, die sich jetzt empören würden.“ Nein, das sind keine Atheisten oder generell skeptisch gegenüber der Kirche. Es sind sogar sehr gläubige Christen aus meiner Gemeinde. Aber sie würden das Wort „cool“ in Verbindung mit Gott und SEINEM Wirken absolut unpassend finden. Dabei würden sie den Inhalt des Satzes voll unterstreichen. Sie würden es nur eben anders formulieren! Sie würden sagen: „Gottes Wirken ist so segensreich.“ oder etwas ähnliches. Und jetzt sind wir auch bei der Überschrift des Artikels angekommen. Und das wird auch Menschen interessieren und vor allem betreffen, die vom christlichen Glauben nichts wissen wollen.

Sehr oft ist es so, dass Streit, Verletzungen und Aufregungen nur deshalb entstehen, weil Menschen zwar das gleiche meinen, das aber mit sehr verschiedenen Worten sagen. Oder andersrum, die Menschen meinen verschiedene Dingen benutzen aber die gleichen Worte dafür. Auch da hab ich heute Abend ein Beispiel erlebt bei dem meine Mit-Diakon und ich beide der Meinung waren, dass wir uns zu 100% verstanden hatten und im Endeffekt so was von völlig aneinander vorbei gesprochen haben. War lustig und kein riesen Problem oder so. Allerdings gibt es ja auch Situationen, in denen solche Missverständnisse richtig schwerwiegende Konsequenzen haben.

Worte, Begriffe und ihre saubere und eindeutige Verwendung sind definitiv wichtig um solche Missverständnisse zu vermeiden. Allerdings ist das nicht der einzige Weg. In meinen Augen gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten um solche Dinge zu verhindern.

1. Die eindeutige und klare Definition der entsprechenden Begriffe und Worte. Das ist vor allem im professionellem Umfeld, im Beruf und in kritischen Lebens- und Arbeitsbereichen wichtig. Auch in der Sozialen Arbeit ist die Verwendung von bestimmten Begriffen sehr wichtig und ganz sicher nicht unumstritten. Man kann sich wunderbar in ewig langen akademisch-philosophischen Diskussionen über Begriffe und ihre Verwendung ergehen, ob das jetzt wirklich Sinn macht sei mal dahin gestellt.

2. Empathie und Verständnis. Ja, genau, damit meine ich, dass man sich auf den anderen und seinen Standpunkt einlassen soll und dadurch versteht, was der andere mit den Begriffen meint. Ja, das birgt auch die Gefahr von Fehlinterpretationen. Und ja, das klingt für einige sicher auch nach der typischen Sozi-Lösung. Und dennoch ist das im Alltag meiner Meinung nach die beste Methode. Ich kann nicht immer genau hinterfragen, was mit manchen Worten gemeint ist. Oft fehlt die Zeit, manchmal fällt mir erst im Nachhinein auf, dass da etwas missverständlich sein könnte. Und genau dann muss ich versuchen raus zu kriegen was der andere meint oder gemeint hat. Dann muss ich versuchen mich rein zu fühlen und den anderen zu verstehen.

Das alles ist jetzt natürlich sehr theoretisch, in der Praxis läuft das meistens in sehr sehr kurzer Zeit und unbewusst ab. Und dennoch halte ich es für wichtig sich darüber Gedanken zu machen. Warum? Weil ich mir dann bewusst mache, dass vieles vielleicht gar nicht böse gemeint ist, dass ich mir manchmal vielleicht die Zeit nehmen und den anderen verstehen muss. Und vor allem wird dann auch klar, dass es auch anderen schwer fallen kann mich zu verstehen und das sie sich manchmal Zeit nehmen müssen, um sich in mich rein zu fühlen.

Und jetzt schließt sich der Kreis zum Kommentar von Hans-Helge. Gerade bei Christen, gerade bei einem so schönen Glauben, der die Nächstenliebe und das Verständnis füreinander so in den Mittelpunkt stellt, gerade hier sollte doch Offenheit und Toleranz füreinander, für andere Ausdrucksweisen da sein. Wahrscheinlich werd ich das von den Leuten die mich kennen und hier mit lesen die nächsten Wochen zu hören bekommen, wenn ich mir mal wieder nicht die Zeit nehme und sauer reagiere, obwohl es sich um ein Missverständnis handelt, seufz.

Trotzdem finde ich die Aussage einfach toll: „Ich finde es halt einfach nur cool, wie Gott wirkt!“ Ja, genau so ist es! Jetzt müssen wir das nur noch leben und umsetzen, IHN, also Gott wirken lassen und das was wir im Gottesdienst hören auch tun. Das klingt sehr einfach, ist es aber nicht. Dennoch: Es ist das einzig Richtige!

P.S.: Ich hoffe ihr verzeiht mir die 20 Minuten Verspätung des Artikels, das geht noch als heute durch, oder? 🙂

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