Zugfahren – Mobilität auf zwei Beinen

Dezember 28, 2010 um 7:23 pm | Veröffentlicht in leben, mobil, technik, unterwegs | 2 Kommentare

Okay, der Titel ist unlogisch, oder? Seit wann hat ein Zug zwei Beine?!? Lasst mich erklären.

Vorgeschichte / Hintergrund

Seit Oktober 2010 arbeite ich in Göppingen. Es ist zwar der gleiche Arbeitgeber aber eben ein anderer Standort. Außerdem ist es nur ein befristeten Wechsel, bald geht es wieder zurück. Egal, als der Wechsel des Arbeitsortes feststand habe ich mir natürlich überlegt, wie ich das tägliche Pendeln angehen wollte. Das Auto fiel für mich schnell raus, ich wollte einfach die Chance nutzen, endlich wieder länger und mehr Zug zu fahren.

Die Einschränkungen und Kompromisse

Als ich die Entscheidung, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren, in meinem Bekannten- und Freundeskreis

erwähnte habe ich viele überraschte, verwunderte und teilweise richtig entsetzte Reaktionen bekommen. Die häufigsten Aussagen lauteten zusammen gefasst:

1. Das dauert doch ewig. Musst du da nicht früh aufstehen?

2. Da bist du ja gar nicht flexibel.

3. Das ist doch teuer.

4. Da musst du ja alles mitschleppen.

Gehen wir die, durchaus berechtigten, Bedenken mal Schritt für Schritt durch. (Und nein, das wird keine Liste, zumindest keine reine.)

Das „dauert ewig“-Argument kommt gefühlt immer, wenn es um die Nutzung der Öffis (= Öffentliche Verkehrsmittel) geht. Es stimmt natürlich absolut, es dauert oft länger. Wenn dann noch Verspätungen dazu kommen ist der Zeitunterschied zum Auto deutlich. Und ja, ich muss früher aufstehen als wenn ich Auto fahren würde.

„Flexibilität“ bzw. das Fehlen der selben ist auch so ein, kommt-immer-Argument, und stimmt natürlich auch. Mit dem Auto bin ich flexibler.

Der Kostenaspekt ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Sicher, mit der letzten Preiserhöhung der Bahn und wenn ich die reinen Spritkosten rechne ist das Auto billiger, Rechne ich jedoch Reifen, Abnutzung und Wartung beim Auto mit ein zieht das Kostenargument, bei mir, nicht mehr.

Der vierte Punkt stimmt wiederum komplett. Natürlich muss ich als Zugfahrer in meiner Tasche alles mitnehmen was ich brauche. Und das schließt dann automatisch vieles aus.

Die Vorteile oder das Warum

Bei den bisher genannten Punkten war nur der finanzielle Aspekt pro Öffis, und selbst da kann man noch diskutieren. warum tue ich das dann überhaupt? Der Hauptgrund für mich: ich fahre einfach gerne Zug. S-Bahn ist je nach Uhrzeit nicht so berauschend, Zug fahren finde ich aber einfach toll!

Das ist aber nicht alles. Natürlich dauert es bis ich im Geschäft bin, ca. 1:15 h pro einfache Richtung. Aber die Zeit kann mit lesen, schreiben, schlafen, neue Bekanntschaften schließen und nachdenken nutzen. Beim Auto fahren muss ich immer konzentriert sein.

Jap, ich muss früher aufstehen. Nervt morgens zwar, macht mich aber sehr produktiv und ist deshalb super für mich.

Ich bin nicht so flexibel. Dadurch muss ich mehr planen und mir mehr Zeit nehmen. Ich reduziere auf die wichtigen Wege und nehme diese Zeit, und die Aktivitäten am Ziel, sehr viel bewusster wahr. Ich genieße es mehr. Außerdem bin ich gewisser Hinsicht auch wieder flexibler, als wenn ich Auto fahren würde. Ich muss nämlich keinen Parkplatz suchen und auch keine Parkgebühren zahlen. Ist im Geschäft jetzt nicht relevant, in anderen Städten, im Urlaub oder auch wenn ich „nur“ in Stuttgart unterwegs bin ist das ein echter Vorteil.

 

Klar muss ich „alles mitschleppen“. Daher kommt auch der Titel des Artikels. Ich muss auf zwei Beinen mobil sein, denn außerhalb des Zuges bin ich logischerweise zu Fuß unterwegs. Also muss all mein „Zeug“, alles Arbeitsmaterial, Gadgets, Unterhaltung usw. in meine Tasche passen. Und sie muss so leicht sein, dass ich sie den ganzenTag aus eigenen Kraft tragen kann. Ich muss also „auf zwei Beinen“ mobil sein. Das find ich toll.

Mehr Bewegung, Reduktion auf die wichtigen Dinge zum mitnehmen und dadurch auch einfacheres Arbeiten sind mein Lohn dafür.

Alles in allem: ich fahre gerne mit Öffis. Ich fahre gerne Zug.

Wie ist das bei euch?

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2 Kommentare »

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  1. Bei mir war es so 😉 Ich habe i, Juli 2008 in Köln neu
    angefangen 😉 Gleicher Arbeitgeber aber eben anderes Büro. Ich
    wohne in Eschweiler. Das ist eine einfache Entfernung von 75km von
    Haustür bis zum Büro. Ich bin den ganzen Monat Juli 2008 mit dem
    Auto gefahren. Wie eigentlich immer. Auf öffentliche Verkehrsmittel
    habe ich noch nie richtig wert gelegt, außer während meiner
    Schulzeit, die ist aber schon lange vorüber. Aber das Autofahren
    auf der A4 war schon anstrengend. Morgens im Dunkeln, bei geringem
    Verkehr aber am Nachmittag bzw. frühen Abend. Die Hölle. Sehr viel
    Verkehr, mehrere Staus und einsam auf der Mittelfahrbahn rollende
    Polos mit nem Aufkleber „Abi und ne Jahreszahl“ auf der
    Heckscheibe. Ich war bedient. Dann mein Experiment mit öffentlichen
    Verkehrsmittel und einer Monatskarte in der 1. Klasse. Mein Ziel:
    Den gesamten Monat zu fahren um auch ein objektives Ergebnis zu
    bekommen. Meine Strecke setzte sich wie folgt zusammen: 45 Minuten
    Regionalbahn 20 Minuten S-Bahn und noch 10 Minuten Bus. Die
    Anschlusszeiten waren ok. 5 Minuten auf S-Bahn warten und 2 Minuten
    auf den Bus. Das bedeutete von Haustür zur Bürotür eine Gesamtzeit
    von ca. 90 Minuten. Mit dem Auto benötigte ich morgens ca. 50
    Minuten und am Nachmittag zwischen 60 und 120 Minuten. In dem Monat
    August, gab es nur 2 Verspätungen, die aber nicht so sehr ins
    Gewicht gefallen sind, da alle 30 Minuten ein Zug von Köln Richtung
    Aachen unterwegs ist. Also ich war von der alternative „öffentliche
    Verkehrsmittel“ sehr angetan und habe es nicht bereut. Die
    Vorteile: Ich kam ausgeruht und entspannt im Büro an. Ich konnte
    morgens immer eine 4er Sitzgruppe haben und so meine Beine lang
    machen und noch die 45 Minuten im Zug dösen. Ich kam ausgeruht und
    entspannt zu Hause an, da durch die 1.Klasse ich auch immer mind.
    einen Sitzplatz für die Heimfahrt hatte. Und am Freitag war auch
    schon mal ne Flasche Bier drin auf der Heimfahrt 😉 Der Preis der
    Monatskarte betrug 255,00 Euronen und war damit günstiger wie
    Benzin für 150 Kilometer täglich. Ich habe ne Menge Bücher gelesen
    😉 Tolle Musik im entspannten Zustand gehört 😉 Viel Nachgedacht 😉
    Nette Menschen kennen gelernt 😉 Es gab in der gesamten Zeit für
    mich in Köln bis April 2010 nur einen echten großen Umweg, da die
    Bahnstrecke gesperrt war. Da war ich erst um 21:00h zu Hause nach
    einem Umweg über Gladbach. Insgesamt war es sehr positiv. Nun fahre
    ich wieder mit dem Auto, bin aber am überlegen nicht auch ab Mai
    (nach meinem Urlaub) wieder umzusteigen und mein neues Büro in
    Geilenkirchen wieder mit Bahn zu erreichen 😉

    • Hi Eddie,

      danke dir für deinen Kommentar. Freut mich das andere ähnliche Erfahrungen machen.

      Gruß,
      Chris


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